Samstag, 23. Dezember 2017

Nach(züglerbei)trag

Es ist mittlerweile Tradition oder vielleicht eher zur schlechten Angewohnheit geworden, dass der letzte Beitrag der Reise immer ein paar Monate auf sich warten lässt. Nun denn, wo waren wir noch gleich stehen geblieben?
Genau, am Terkhiin Tsagaan Lake, oder auch etwas weniger sperrig einfach nur Weißer See genannt.

Frisch ausgeruht starteten wir also guter Dinge nach unserem Pausentag vom Weißen See Richtung Ulan Bator. Eigentlich hatten wir zwei Etappen für die knapp 650 km bis zum Endpunkt der diesjährigen Reise vorgesehen, aber es sollte anders kommen. Kurz vor Erreichen unseres angepeilten Etappenziels Kharkhorin, der ehemaligen Hauptstadt des mongolischen Reichs, erreichte uns ein Anruf. Danach war klar, wir müssen noch am selben Tag bis Ulan Bator durchfahren. Grund war der Umstand, dass wir vor unserer Abreise noch im mongolischen Hauptzollamts vorsprechen mussten, um den Motorrädern zu ermöglichen, ein Jahr ohne uns in der Mongolei zu bleiben. Offensichtlich war ein Tag für dieses Vorhaben nicht ausreichend, somit blieb uns keine Wahl. Gesagt, getan.

Schnell noch Erdene Dsuu, das älteste buddhistische Kloster der Mongolei besichtigt und dann ging’s auch schon weiter. Von hinten kam unpassenderweise ein Unwetter angerollt. Zuerst war es « nur » ein Staubsturm und schon ziemlich beeindruckend. Nachdem aber der Straßenverlauf dann bald um 90° quer zum Wind gedreht hatte, kamen noch Blitz und Donner dazu und uns wurde ziemlich mulmig. Es fing dann natürlich auch an, wie aus Eimern an zu schütten und das war zusammen mit dem heftigen Wind von der Seite äußerst unangenehm. Nachdem wir eine Weile mit gefühlten 45° Schräglage bei gerader Strecke gefahren waren und der luv-seitige Stiefel voller Wasser gelaufen war, ergriffen wir die erstbeste Gelegenheit und flüchteten uns hektisch unter das Vordach eines verlassenen Hauses, um das Allerschlimmste abzuwarten. Dort gesellten sich irgendwann zwei australische KTM-Fahrer zu uns, so dass während dieser Zwangspause immerhin für Unterhaltung gesorgt war. Der Rest der Etappe war aufgrund des starken Windes zum Teil ziemlich unangenehm und der Staubsturm begleitete uns noch bis Ulan Bator, wo wir weit nach Einbruch der Dunkelheit eintrafen. Zur Belohnung standen wir dann am Ende noch eine Stunde durch die Stadt im Stau bis wir schließlich völlig erledigt bei unserer Herberge ankamen.

Die verbleibenden Tage waren den Zollformalitäten und der Wartung der Motorräder gewidmet und waren einerseits geprägt durch den kurzweiligen Aufenthalt im Guesthouse Oasis, wo man immer viele interessante Reisende trifft und andererseits durch die herausragende Hilfsbereitschaft und Gastfreundschaft von Mogi und Frank, einem befreundeten mongolisch-deutschen Paar. Mogi war so nett, sich zwei ganze Vormittage Zeit zu nehmen, um die Verhandlungen mit den Zollbeamten zu führen. Ohne die Hilfe mit ihren Mongolisch-Kenntnissen wären wir komplett aufgeschmissen gewesen. Abgerundet wurde das schließlich noch mit einer Einladung zu einer großen Feier in ihrem Haus, in deren Verlauf unter anderem ein ganzes Schaf aufgegessen wurde, bei ortsüblicher Getränkebegleitung versteht sich.

Ganz am Ende gab es noch ein großes Hallo, als Abi, der indische Motorradfahrer, den wir am ersten Tag in Osh getroffen hatten, im Oasis eintraf. Er war nach einem Rahmenbruch gezwungen gewesen, die Mongolei per Bus (mit dem Motorrad im Gepäckraum) zu durchqueren, um sein Motorrad in Ulan Bator reparieren zu lassen. Seine weitere Reise führte ihn dann später noch durch Russland, Europa, den Balkan und Nah-Ost zurück nach Indien. Mittlerweile ist er schon wieder zu Hause.

Die diesjährige Reise wird, was Vielfalt und Erlebnisse betrifft, wohl nur schwer zu übertreffen sein. Die atemberaubende Natur in Kirgisien, die Weite Kasachstans mit seinen kurzweiligen Straßenzuständen, die traumhafte Straße durch das russische Altai-Gebirge und schließlich die wilde Unendlichkeit der Mongolei haben diese Tour zu einem Erlebnis ohnegleichen gemacht. Wenn wir nächstes Jahr am Pazifik ankommen, lassen wir damit auch das Gebiet der ehemaligen Sowjetrepubliken hinter uns, deren kultureller Reichtum und enorme Ausdehnung uns ganz besonders begeistert haben. Das erfüllt uns jetzt schon etwas mit Wehmut. Aber als nächstes warten Japan und Nord-Amerika auf uns, das macht den Abschied etwas leichter.










Sonntag, 18. Juni 2017

Die Konkurrenz schläft nicht.

By courtesy of Abijith Rao, with whom we traveled for a couple of days. We met Abi on our first day in Osh and again after having split on our last day at Oasis guesthouse Ulaanbataar. 






Sonntag, 11. Juni 2017

Ausrollen vom Allerfeinsten

Unsere heutige Etappe betrug nur 180 km, größtenteils auf richtigen Straßen. Inklusive der Intervention bei einer Reifenreparatur waren wir gerade einmal vier Stunden unterwegs. Die mongolischen Kollegen hatten kein Flickzeug, dafür nur eine kleine Handpumpe dabei, dem hatten wir einen elektrischen Kompressor und Montierhebel entgegenzusetzen. 

Unser Ziel war heute der White Lake, an dem Matti vor vier Jahren eingeschneit wurde. Hier ist es so idyllisch, dass wir spontan um eine Nacht verlängert haben.






Vom Regen in die Traufe

Wir verbrachten zwei Nächte im besten, falsch, teuersten Hotel Uliastais. Dieser Bunker war bisher das Schlimmste, was uns auf unserer Reise untergekommen war. Da alle normalen Zimmer bereits ausgebucht waren, mussten wir auf zwei "Deluxe Rooms" ausweichen, zu deren Preis man hierzulande schon ein halbes Schaf bekommt. Bei meinem funktionierte schon direkt das Türschloss nicht. Die Rezeptionistin probierte geschlagene zwanzig Minuten, bis es endlich öffnete, um dann triumphierend zu deuten, dass doch alles in Ordnung sei. Ich lehnte ab und bezog den einzigen noch freien, "Superior Deluxe Room", nach einiger Diskussion zum Preis der Deluxe-Variante. Zur Schlafengehenszeit stand die Rezeptionistin erneut vor meiner Tür, weil sie übersehen hatte, dass Mattis Zimmer schon reserviert war und bedeutete, dass auch er bei mir einziehen müsse. 

Das Hotel war völlig heruntergekommen. Die Tür klemmte bspw. derart, dass man sie nur mit einem kräftigen Tritt öffnen und schließen konnte. Heißes Wasser gab es nur eine Stunde am Tag, zu wechselnden Zeiten, daran erkennbar, dass der Schornstein rauchte. Nachts um drei wurde Matti von Regenwasser geweckt, das von der Decke direkt in sein Gesicht tropfte. 

Und daher weigerte ich mich am nächsten Morgen, den vereinbarten Preis zu zahlen. In einen Taschenrechner gab ich die für mich infrage kommende Maximalsumme ein, wir redeten dann noch eine Weile jeweils in Muttersprache aufeinander ein und am Ende wurde mein Angebot entnervt akzeptiert.

Wir luden unser ganzes Gepäck in den Landcruiser von Schaagaa und Shagai, die wir für einen halben mongolischen Monatslohn engagiert hatten, und begaben uns auf unsere letzte Offroad-Etappe. Nachdem der Regen aufgehört hatte, war dies noch einmal purer Fahrspaß, besonderes als Schaagaa und Matti die Fahrzeuge getauscht hatten und wir im Mongolian Style highspeed über die Piste bretterten. 

An unserem Zielort, Tosontsengel, wurde mein Kofferträger provisorisch geschweißt und wir verabschiedeten uns mit einem Abendessen von unseren mongolischen Freunden. 

Übernachtet haben wir im Skyline-Hotel, in dem Matti bereits auf seiner Mongoleireise vor vier Jahren Quartier bezogen hatte. 

Heute geht's zum White Lake, wo wir bei Temperaturen von fünf Grad zum letzten Mal campen werden. 








Donnerstag, 8. Juni 2017

Der Krug geht zum Brunnen, bis er bricht.

Was für ein Tag. Leider habe ich alle Superlative schon gestern aufgebraucht, heute könnte ich sie gut gebrauchen. 

Eigentlich waren die 200 km Piste zwischen Altay und Uliastai ja als einfach und in gutem Zustand beschrieben worden, diese Information ist jedoch nicht zutreffend. Ich weiß nicht, ob wir diese Route überhaupt gewählt hätten, wenn wir vorher gewusst hätten, wie knüppelhart sie ist. So viel Geröll und vor allem so viel Sand! Wir kamen kaum über den dritten Gang hinaus und brauchten insgesamt sieben Stunden für die kurze Strecke. 

Dass keiner von uns beiden gestürzt ist, grenzt an ein Wunder. Wir waren gleichwohl mehrfach kurz davor, einmal machte sich meine Transe gar selbstständig und landete im Acker. 

Vor allem das Material war der Beanspruchung nicht gewachsen und wir hatten diverse Defekte zu beklagen. Eine abgerissene Schraube an Mattis Gepäcksystem konnten wir noch mit Bordmitteln beheben. Schluss war aber, als mein ganzer Kofferträger samt Koffer abriss. 

Glücklicherweise hatten wir uns zum Mittag zu einigen mongolischen Nomaden gesellt, die einige Zeit später mit ihrem Kleinbus bei uns auftauchten. Sie hatten den gleichen Weg; ihnen gaben wir unser ganzes Gepäck mit. Nicht wirklich entspannt, aber deutlich erleichtert nahmen wir die restliche Wegstrecke in Angriff. 

Am Abend trafen wir erneut Cecilia und Ihre Crew, deren Unterstützung es zu verdanken ist, dass wir unsere Reise ohne größere Verzögerungen fortsetzen können. Meine Träger werden morgen geschweißt. Da zu befürchten ist, dass wir bei gleichbleibenden Straßenverhältnissen weitere Defekte erleiden werden, haben wir für den verbleibenden Off-road-Teil einen Fahrer engagiert, der uns unser Gepäck zum Zielort bringt.