Dienstag, 30. Mai 2017

Unterwegs in Kasachstan

Dem kasachischen Straßennetz eilt ein gewisser Ruf voraus (kein guter). Nach eingehender Prüfung in den letzten Tagen können wir diesen bestätigen. Nicht, dass wir nicht zumindest theoretisch darauf vorbereitet gewesen wären, aber wenn man die ganze Härte der hiesigen Straßen über Stunden am eigenen Leib erfährt, wirft das nochmal ein neues Licht auf die ganze Sache.
Die Beschaffenheit der Fahrbahnoberfläche scheint hier vor allem davon abzuhängen, wie lange deren Bau zurückliegt. Das Spektrum reicht von perfekten, neu gebauten Straßen (ganz wenige), über in Würde gealterte (zu wenige), zu bemitleidenswerten (der Großteil) bis zu kriegsähnlich zerstörten (zu viele) und findet sich in wechselnder Abfolge auf allen Straßenkategorien wieder, auch den Fernstraßen. Ich vermute einfach mal, dass in der kasachischen Sprache keine Übersetzung für das Wort “Straßenausbesserungsarbeiten” existiert. Alles bleibt so wie es ist und jeder brettert gnadenlos drüber, vom Kleinwagen bis zum Schwerlastverkehr. Dies hat zur Folge, dass man während des Fahrens wirklich für keine (!!) Sekunde den Blick von der Fahrbahn abwenden sollte, weil man sich sonst vor einem badewannengroßen und -tiefen Schlagloch wiederfinden könnte, mit materialmordenden Folgen. Insofern konnten wir bisher noch nicht viel von der hiesigen Landschaft zur Kenntnis nehmen. Aber das war auch nicht weiter schlimm, denn da war gar keine! Nur Gras und Steppe, so weit das Auge reicht. Kasachstan!







Sonntag, 28. Mai 2017

До свидания Киргизия

Wir waren Donnerstag Morgen kaum losgefahren, als wir in ein ausgedehntes kräftiges Regengebiet gerieten. Binnen kürzester Zeit waren wir nass und völlig durchgefroren. Es schien ein ausgesprochen ungemütlicher Fahrtag zu werden. Gegen Ende klarte das Wetter allerdings auf und wir fanden ein malerisch gelegenes Jurtencamp für die Nacht. Wir waren die einzigen Gäste und ließen den Abend gemütlich bei Bier und leckerem Essen - gemeinsam mit der Managerin - ausklingen. Leider ist unser Zeitplan sehr straff. Daher verlassen wir heute (ausgesprochen ungern) das faszinierende wilde Kirgistan und reisen nach Kasachstan weiter.

Auf der letzten Etappe hat es uns Kirgistan dann nochmal richtig gezeigt. Bei dieser grandiosen  Kulisse kam dann doch ein wenig Wehmut auf, dieses fantastische Land nun verlassen zu müssen. Die Grenzformalitäten dauerten insgesamt weniger als eine halbe Stunde und "kosteten" auf kasachischer Seite nur eine unserer Travellunch-Trockenmahlzeiten. Die Nacht haben wir im Charyn-Canyon verbracht, damit haben wir dieses Jahr bereits öfter gecampt als in allen Vorjahren zusammen. In den nächsten Tagen geht es vor allem darum, möglichst viele Kilometer durch die doch recht eintönige kasachische Steppe zu fressen.




















Donnerstag, 25. Mai 2017

Kirgisien, meine Perle

Die Zeit unmittelbar vor der Abreise zu unserer diesjährigen Etappe war bei mir so mit Aktivitäten und Verpflichtungen vollgepackt, dass ich gar keine Gelegenheit hatte, mich mental auf die bevorstehende Reise einzustellen und so fand ich mich quasi plötzlich mit meinem hektisch zusammengeworfenen Gepäck auf dem Bahnsteig neben Mario wieder und da ging die Reise auch schon los. Die Züge waren natürlich voll wie nie, die Wartezeiten auf den Flughäfen übertrieben lang (besonders in Moskau), kurzum es war eine ganz normale Zug-zum-Flug-Reise.

Obwohl wir nach der 20-stündigen Anreise nach Osch in Kirgisien alles andere als ausgeschlafen angekommen waren, haben wir von Vorfreude getrieben gleich die Motorräder geholt und uns mit dem Ausblick auf einen ausgedehnten Mittagsschlaf getröstet. Dabei gleich ein Riesenschreck! Mario müssen während der Fahrt zu unserer Unterkunft aus einer offenen Kofferdeckeltasche seine kompletten Motorradpapiere herausgefallen sein, ein hinter ihm fahrender Kirgise hatte das aber beobachtet, diese eingesammelt und ihm nach heftigem Hupen und Gestikulieren schließlich übergeben. Ansonsten wäre die Reise an diesem Punkt gleich mal beendet gewesen. Puh!

Im Hostel mussten dann natürlich sofort unsere mitgebrachten Einkäufe an die Motorräder angebracht werden. Hierzu muss man erwähnen, dass die konzeptbedingte Wartezeit jedes Jahr gewissermaßen ein Reisevakuum erzeugt, was wir durch einen erhöhten Konsumtrieb zu kompensieren versuchen. Ergebnis: die Motorräder werden immer schwerer, man muss während der Reise immer mehr Geräte laden und der Gepäckraumbedarf steigt auch immer weiter an. Was das wiederum zur Folge hat, brauche ich hier vermutlich nicht weiter auszuführen.

Der Mittagsschlaf musste schließlich leider ausfallen, weil so langsam die anderen Hostelgäste auftauchten und die sich daraus ergebende Geselligkeit uns schließlich nicht nur vom Schlafen abhielt, sondern auch das Vorbereiten und Packen der Motorräder darunter litt. Unter den erwähnten Gästen war auch ein indischer Motorradfahrer, der uns in den sich anschließenden drei Tagen begleiten sollte.

Am Morgen der Abreise aus Osch musste ich notgedrungen noch schnell das auf meinem Zimmerfußboden verteilte Chaos auf die neu installierten Zusatz-(!) und sonstigen Taschen verteilen, was dem zügigen Loskommen natürlich nicht zuträglich war. Hätte ich das mal am Vortag gemacht! Nicht aufzufinden waren leider die Sensoren des im letzten Jahr installierten(!) Reifendruckkontrollsystems, was mich noch einige Tage beschäftigen sollte.

In Dreier-Formation mit Abi (dem Inder) ging es Richtung Norden zu einem See namens Toktogul, wo wir am Abend nach einer abenteuerlichen Offroad-Einlage unsere Zelte aufbauten und auch gleich noch die Saison anbadeten. Am nächsten Tag kamen dann die ersten Berge und unbefestigten Straßen in Sicht. Wir ritten im Sonnenschein, Staubwolken hinter uns herziehend, zwischen schneebedeckten Bergen an reißenden Flüssen entlang durch die Landschaft, genau so hatten wir uns das vorgestellt! Dieses Zusammenspiel der Erhabenheit der Natur mit dem Flow des Fahrens und des daraus resultierenden Gefühls ist nur schwer zu beschreiben, aber hier in diesem Land bisher intensiv wie nie. Jäh beendet wurde das für mich allerdings, als mir am zweiten Fahrtag eine Biene durch das geöffnete Visier auf die Stirn klatschte und natürlich zustach. Die Schwellungen sind jetzt (zwei Tage danach) immer noch nicht abgeklungen. Immerhin tut es nicht besonders weh. 

Am Abend fanden wir in einem winzigen Dorf bei einer Familie Unterschlupf, die Gästezimmer vermietet. Das wird hier über ein staatlich organisiertes System namens CBT (Community Based Tourism) vermittelt und ist auch Anlaufstelle für Auskünfte aller Art sowie das Buchen von Aktivitäten wie z.B Reitausflügen. Dort versuchte ich am Abend nochmal dem Problem mit den verloren gegangenen Sensoren auf den Grund zu gehen. Ich hatte schon mehrfach alle Taschen danach durchsucht, bisher aber ohne Erfolg, unter uns nannten wir diesen Vorgang schon “Ostern”. Sie mussten aber irgendwo sein, da es ein Signal gab! Nachdem wir mit dem Ausschlussverfahren (Losfahren mit einzelnen Taschen usw.) auch keinen Erfolg hatten, fand Mario sie schließlich im allerletzten Winkel meines Gepäcks und meine Fahrten werden seitdem nicht mehr von hektischem Geblinke und Gepiepse begleitet. Danke Mario!

Der Inder hat mittlerweile eine andere Himmelsrichtung eingeschlagen und Mario und ich waren heute ganz in der Nähe der chinesischen Grenze und haben eine Karawanserei besichtigt. Morgen soll’s weiter Richtung Norden gehen, leider ist Regen vorhergesagt.